bearbeitet und gezeichnet von Patrick Mitmasser (1. Klasse)
Die Teufelsmauer von St. Johann in der Wachau
Buch: Sagen aus Niederösterreich
Herausgeberin: Käthe Recheis
Schon geraume Zeit ärgerte sich der Teufel über die kleine Kirche von St. Johann in der Wachau. Dort hatte nämlich der heilige Albinus, der Patron der Donauschiffer, seinen Wohnsitz aufgeschlagen und um der Wundertaten des heiligen Mannes willen kamen von weit und breit die Gläubigen nach St. Johann. Und nichts ist dem Teufel so zuwider wie Scharen frommer Leute, die zu einer Kirche pilgern.
"Dieses ganze fromme Getue, Bittgesänge, Dankeshymnen - das alles wächst mir schon zum Hals heraus", fluchte der Höllenfürst eines Tages grimmig vor sich hin, als er, hinter einem Felsblock kauernd, wieder einen langen Zug betender Wallfahrer daherwandern sah. Ich werde ihnen die Suppe versalzen!
Und so fasste er den Entschluss, oberhalb von Spitz eine Mauer quer über die Donau bis zur Roten Wand bei St. Johann aufzurichten, und er kicherte schon insgeheim, wenn er daran dachte, wie das aufgestaute Wasser die Kirche überfluten würde. Der Herr erlaubte ihm seinen Plan unter der Bedingung, dass der Bau während einer Nacht bis zum dritten Hahnenschrei vollendet sein müsse. Nun gedachte der Teufel dem lieben Gott ein Schnippchen zu schlagen und kaufte alle Hähne in der Umgebung auf. Nur eine alte Frau in Sankt Johann ließ sich um alles Geld nicht bewegen, ihren Hahn herzugeben. Ein einziger Hahn kann nicht mehr viel schaden, dachte der Teufel und gab den Versuch auf, die Alte umzustimmen.
In bester Laune machte er sich am Abend an die Arbeit; eine Riesenschar höllischer Geister musste ihm dabei helfen. Diese Gesellen brachen mächtige Felstrümmer von den Höhen des Jauerlings los und schleuderten sie mit furchtbarem Getöse ins Tal. Der Teufel packte mit seinen kralligen Tatzen fest zu und türmte Steine auf Stein. Die gewaltige Mauer wuchs unheimlich schnell, und als der Morgen graute, stand sie fast fertig da.
Plötzlich aber krähte der einzige Hahn, der in St. Johann übrig geblieben war. Er saß hoch oben auf dem Kirchturm, und als der Teufel wütend weiterwerkte, krähte der Hahn zum zweiten Mal. Der Teufel sprang vor Zorn in die Luft, aber es half ihm nichts, der Hahn krähte zum dritten Mal. Zornbebend schoss der Teufel dem Hahn einen Pfeil durch den Leib, der heute noch im Körper des Turmhahnes steckt. Dann fuhr der Teufel in die Hölle.
Von seinem verunglückten Werk ist ein kleines Stück am linken Donauufer stehen geblieben, das die Teufelsmauer genannt wird.
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